Tag der Pflege 2018

Gottesdienst in der Elisabethkirche in Marburg mit Bischof Martin Hein

Am Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai haben die Diakonie Hessen, die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Leistung der pflegenden Menschen in einer besonderen Weise gedankt. Unter dem Motto „Pflege tut Gut(es)“ feierten sie zusammen mit Pflegenden einen Gottesdienst in der Marburger Elisabethkirche. Im Anschluss fand ein Empfang statt. Zahlreiche Mitarbeitende aus der Pflege und pflegende Angehörige sind aus Hessen und Rheinland-Pfalz angereist und ließen sich von Bischof Prof. Dr. Martin Hein segnen. Mit dabei waren auch Pfarrer Horst Rühl, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, Dr. Wolfgang Dippel, Staatssekretär für Soziales im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, und der Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Dr. Thomas Spies. Der Gottesdienst wurde gemeinsam mit Menschen aus diakonischen Pflegeeinrichtungen  gestaltet.

Bischof Hein: Pflegende dürfen nicht in einer permanenten Überforderungssituation sein

In seiner Predigt zu Maria und Martha nahm Bischof Hein kritisch Stellung zum Pflegenotstand: „Die Pflege ist weiblich. Das erfahren wir in den Krankenhäusern, Altenheimen und ambulanten Diensten. Die Geschichte von Maria und Martha ermutigt dazu, nicht in einer permanenten Überforderungssituation in der Leistungserbringung stecken zu bleiben. Es muss Raum sein, selbst zur Ruhe und zu geistlicher Stärkung zu finden und sich aus dieser Erfahrung heraus den Menschen zuzuwenden. Dafür stehen wir ein in Kirche und Diakonie.“

Die Predigt von Bischof Prof. Dr. Martin Hein im PDF-Format zum herunterladen

Rühl: Pflegende sollen Anerkennung bekommen

„Mitarbeitende in der Pflege und pflegende Angehörige leisten einen wertvollen Beitrag für Menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen können. Mit unserem feierlichen Gottesdienst zeigen wir den pflegenden Menschen, dass wir ihr tägliches, außerordentliches Engagement wertschätzen. Wir sehen den unverzichtbaren Beitrag, den pflegende Menschen für unsere Gesellschaft erbringen. Dabei gehen sie oft bis an ihre Belastungsgrenze und teilweise darüber hinaus. Gerade mit dem heutigen Tag der Pflege setzen wir uns dafür ein, dass diese Menschen die Anerkennung bekommen, die sie verdienen.“

 

Diakoniepräsident Lilie als Praktikant beim Evangelischen Verein für Innere Mission in Nassau (EVIM)

Ulrich Lilie hatte den Wunsch, einen ganz persönlichen Einblick in den Pflegealltag einer stationären Einrichtung zu erhalten. Im EVIM-Seniorenzentrum Kostheim unterstützte er am Vormittag eine Altenpflegerin bei deren allmorgendlichen Pflegeaufgaben und erfuhr hautnah, wie schnell das Tagespensum umorganisiert werden muss, wenn eine kurzfristige Krankmeldung des Pflegepersonals erfolgt. In der anschließenden Reflektion mit Pflege- und Leitungskräften, Vertreter*innen der Diakonie Hessen und der Presse bedankte er sich für den hohen Einsatz und das Engagement der Pflegekräfte, das seiner Meinung nach viel mehr gesellschaftliche Anerkennung und Aufmerksamkeit verdiene. Die Diakonie setze bundesweit mit dem Tag der Pflege dazu ein Zeichen. Er unterstrich, dass sich die Diakonie nicht nur im Rahmen der politisch angekündigten konzertierten Aktion stark machen wird für eine bundesweite Gleichsetzung der Personalschlüssel auf dem Niveau von Bayern – und damit deutlich mehr Personalstellen als derzeit in Hessen verhandelbar sind – sondern auch für eine Angleichung der Entlohnung der Altenpflege an die der Krankenpflege. Lilie kritisierte die bisherige Politik von Gesundheitsminister Spahn als symbolisch und nicht geeignet, den aktuellen und sich weiter verstärkenden Personalnotstand in der Pflege abzuwenden.

Die Diakonie Hessen wies angesichts der hessischen Landtagswahl darauf hin, dass neben Verbesserungen der Rahmenbedingungen der Pflege zur Nachwuchsförderung deutlich stärkere Investitionen in die Pflegeschulen erforderlich sind. Diese müssen demnächst die neue generalisitische Pflegeausbildung umsetzen, ohne dass ihnen für das notwendige Zusatzpersonal die Mittel zur Verfügung stehen.