Pflegende brauchen …

Wertschätzung

Die Unterstützung pflegebedürftiger und kranker Menschen ist eine anspruchsvolle und verantwortungsvolle Tätigkeit. Wer pflegt, braucht neben der Freude daran, anderen Menschen helfen zu können, auch ein fundiertes pflegerelevantes Wissen. Pflegefachkräfte bilden sich aus diesem Grund nach ihrer Ausbildung neben ihrer Berufstätigkeit kontinuierlich weiter oder eignen sich Expertenwissen für bestimmte Standards in der Pflege an.
Pflege kann sehr anstrengend sein. Vor allem dann, wenn nicht genügend Personal da ist und Mehrarbeit und Überstunden anfallen. Das ist heute leider allzu oft nicht mehr eine Ausnahmesituation, sondern die Regel. Nicht zu unterschätzen ist auch das, was pflegende Angehörige tagtäglich leisten.

Pflegende tun viel Gutes, sie brauchen aber auch Gutes

Eine wichtige Kraftquelle ist für uns Menschen die Wertschätzung, die uns von anderen entgegengebracht wird. Wer pflegebedürftige und kranke Menschen pflegt, verdient Anerkennung und Dank. Von der Diakonie als der sozialen Arbeit der Kirche wird eine besondere Qualität ihrer Dienste und Leistungen erwartet. Damit geht oftmals die Vorstellung einher, dass die diakonische Pflege auf irgendeine Art und Weise besser als die der anderen sein soll. Dies kann eine Überforderung für die Mitarbeitenden darstellen. Denn die Pflege in Krankenhäusern und Einrichtungen der Diakonie findet unter den gleichen engen gesetzlichen Vorgaben und Rahmenbedingungen statt, wie bei
anderen Anbietern auch. Die häusliche Pflege kann in vielen Fällen nur mit erheblicher Anstrengung von pflegende Angehörige und Diakoniestationen durchgeführt werden. Zeit und Geld sind nicht immer ausreichend vorhanden, denn die Pflegeversicherung deckt nur teilweise die Kosten der Pflege ab. Alle an der Pflege Beteiligten stehen unter einem hohen Druck. Es muss klar sein, dass die Pflege durch diakonische Einrichtungen und Dienste ihre Grenzen hat, genauso wie überall sonst auch. Gleichwohl sind viele Mitarbeitende und Angehörige durch christliche Nächstenliebe motiviert. Der Dienst am Menschen ist aus christlicher Perspektive immer auch ein Dienst an Gott. Im Matthäusevangelium heißt es:
„Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25, 40)
Deshalb brauchen Mitarbeitende in den diakonischen Einrichtungen auch Raum und Zeit für ihre spirituellen und seelsorglichen Bedürfnisse. Kontinuierliche Begleitung in Form von Gottesdiensten, Andachten und Seelsorge stellen eine besondere Wertschätzung der Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie dar.

Pflegende brauchen mehr Pflegekräfte und angemessene Arbeitsbedingungen

Der Personalbedarf in den Pflege- und Gesundheitsberufen nimmt stetig zu. Fast zwei Drittel der Krankenhäuser in Hessen hatten bereits Stellenbesetzungsprobleme für staatlich geprüfte Pflegefachkräfte. (Hessischer Pflegemonitor 2017) Auf einhundert gemeldete offene Stellen in der Altenpflege kommen rechnerisch nur sechsunddreißig arbeitslos gemeldete Pflegekräfte. Rund ein Drittel der ambulanten Pflegedienste musste bereits Anfragen von Patienten aufgrund von Personalmangel ablehnen. (Bundesagentur für Arbeit 2016, Pflegethermometer 2016). Hinzu kommt das Nachwuchsproblem: über 38 Prozent der bundesweiten Pflegefachkräfte sind älter als 50 Jahre (Destatis 2017). Das heißt: In absehbarer Zeit werden viele von ihnen in den Ruhestand gehen. Wir brauchen darum dringend Menschen, die sich für Pflegeberufe ausbilden lassen.
Zwar unterstützt ein Großteil der Angehörigen ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder, auch dann, wenn sie selbst noch berufstätig sind oder Kinder erziehen. Allerdings geht die Bereitschaft zur Pflege bei jüngeren Angehörigengenerationen leider langsam zurück. Der Personalmangel wird auch deshalb weiter steigen.
Ohne die Förderung von Projekten, zum Beispiel, um Pflegehilfskräfte zu qualifizieren, kann der Personalmangel nicht behoben werden. Auch muss der von Pflegediensten zu zahlende Tariflohn bei der Vergütung im Sozialgesetzbuch V anerkannt werden. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege müssen verbessert werden, um den hohen physischen und psychischen Druck, unter dem Pflegende vermehrt arbeiten müssen, ab – zubauen. Bessere Rahmenbedingungen für eine Personalpolitik, die sich an den unterschiedlichen Lebensphasen und entsprechenden Bedürfnissen orientiert, sind an- gebracht. Und die Pflegeverantwortung für Angehörige sollte deutlich stärker, auch im Rahmen der Rentenversicherung, gewürdigt werden.